Wieso braucht die Welt eigentlich Marken?

Datum
Kommentare 0

Allzu oft hat man als Verbraucher das Gefühl, Marken sind Phrasen und Kosmetik. Sie sind austauschbar, weil die Produkte dahinter austauschbar sind und sie keinen Sinn stiften. Man hat das Gefühl, es gibt ein Team, das das Produkt entwickelt und es gibt Leute, die das Produkt in der Werbung beschreiben. Beide scheinen nicht miteinander zu sprechen.

In diesen Fällen sind es keine schlechten Marken. Es sind einfach überhaupt keine Marken. Fehlt die Unterscheidbarkeit, fehlt die Marke. Fehlt die Glaubhaftigkeit, fehlt die Marke. Die Welt aber braucht Marken – und zwar aus folgenden zwei Gründen.

1. Orientierung

Wie viele Jeans-Hersteller gibt es? Wie viele Produzenten von Nachttischlampen, Brotmessern, Lesebrillen, Duschbrausen oder Notizbüchern? Nun, sehr viele. Muss ich eins dieser Produkte besorgen, wo fange ich an? Zuerst krame ich in meiner Erinnerung: Das letzte Küchenmesser war doch sehr gut, von welchem Hersteller war es? Hat nicht mein Kumpel gerade von seinem neuen Rasenmäher geschwärmt? Im Fernsehen kommt doch immer diese Werbung über Matratzen?

Erinnerungen, oder besser gesagt, Erfahrungswerte, sind die erste Anlaufstelle für eine Kaufentscheidung. Dabei identifizieren wir die Produkte jedoch selten über spezielle Eigenschaften. Zum Beispiel, das tolle Messer hatte doch eine Keramikklinge oder das Baby-Bett war stufenlos höhenverstellbar, sondern über die Marke. Die Marke gibt den Produkten ein Gesicht, einen Namen und eine Adresse. Unser Gedächtnis ist dabei wie ein Telefonbuch voller Marken, das durch Erfahrungswerte gefüllt wird. Ohne das Telefonbuch hätten wir fast keine Möglichkeit eine begründete Entscheidung treffen zu können.

Ich schreibe „fast“, weil das Internet den Verbrauchern viele neue Möglichkeiten erschaffen hat. Ich kann Google vertrauen (was natürlich auch eine Marke ist) und nach Keramikmessern suchen. Ich kann Amazon vertrauen und mich an den Bewertungen der Käufer orientieren. Gerade die Möglichkeit, Produkte transparent und in der Masse zu bewerten, lässt das Gewicht der Marke schrumpfen, oder? Ich glaube nein. Das Internet sorgt zwar für eine Demokratisierung der Marken und der Werbung, es schafft aber gleichzeitig ein überwältigendes Angebot für den Verbraucher. Eine Vielfalt, die Orientierung benötigt und die Marken zu noch wichtigeren Leuchttürmen bei der Kaufentscheidung werden lässt.

2. Vertrauen

Was sich einmal bewährt hat, das wird sich immer wieder bewähren. Und gute Marken liefern diese Erwartung auch. Das wohl wichtigste Attribut für eine Marke ist deswegen Vertrauen. Auch Vertrauen bietet übrigens Orientierung, ansonsten wäre jede Neuanschaffung ein reines Glücksspiel. Habe ich allerdings in meiner letzten Winterjacke nie gefroren und sie hat mich treu über viele Jahre begleitet, dann weiß ich, woran ich bin. Gäbe es keine Marken, also keine Sammeltöpfe für bestimmte Artikel einer bestimmten Herkunft, würden wir Verbraucher viel Lehrgeld bezahlen müssen. Das gilt zumindest bei Marken, die Konstanz beherrschen. Denn liefert eine Marke keine gleichbleibende (oder verbesserte) Qualität über einen langen Zeitraum, dann ist es keine Marke, sondern Kosmetik und Phrasen.

Deswegen braucht die Welt Marken.

Autor
Kategorien 🗣 Man kann nicht nicht kommunizieren

Kommentare

Keine Kommentare

💬 Dein Kommentar dazu?

Geben Sie Ihren Kommentar hier ein. * Eingabe erforderlich. Sie müssen die Vorschau vor dem Absenden ansehen.