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Ich habe eine SchwĂ€che fĂŒr E-Mail als Medium und auch fĂŒr kleine Services, die einen fokussierten Zweck erfĂŒllen. Ganz ohne Tam-Tam, ohne Investoren, ohne Blockchain.

Diary Email is a calm place to capture your life and share the best moments with your friends. No big brother is trying to get into your head to sell you more stuff.

Mit Diary Email kann man ein Tagebuch via Email fĂŒhren. Einfach die Mail an eine bestimmte Adresse schicken und der neue Eintrag wird erfasst. ZusĂ€tzlich kann man Freunde und Familie in den Verteilerkreis hinzufĂŒgen. Sympathisch!

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Slack ist der Dreh- und Angelpunkt unserer internen Kommunikation bei i22. Kurze RĂŒckfragen, Gesuche, Diskussionen, Impulse oder Small Talk – wir verschicken ĂŒber 4000 Nachrichten an einem durchschnittlichen Arbeitstag ĂŒber Slack. Pretty crazy. 4000 Nachrichten bedeutet auch: 4000 Unterbrechungen. Im Schnitt wird also jeder von uns 40 Mal am Tag von Slack angepingt. Als wĂŒrde dir ein Kollege alle 12 Minuten auf die Schulter tippen und der Tag fĂŒhlt sich plötzlich wie in ein einziges Meeting an. Ohne Agenda und mit wahllosen Teilnehmern. Grund genug, sich mit der „richtigen“ Nutzung intensiver zu beschĂ€ftigen. Welche Auswirkungen kann Slack auf die tĂ€gliche Arbeit haben und was gilt es zu beachten?

Was wir gerne möchten: Deep Work. Was nicht: Shallow Work.

Unterbrechungen beim Coden, Schreiben oder Designen sind teuer. Wer aus seiner Arbeit gerissen wird, braucht im Schnitt 15 Minuten, um sich wieder in seine eigentliche Aufgabe zu vertiefen. Dabei geht nicht nur Zeit verloren, sondern Task-Hopping fĂŒhrt auch zu höherer FehleranfĂ€lligkeit und genereller ErmĂŒdung. Es kann maßgeblich unser Wohlbefinden beeinflussen. FĂŒhlen wir uns eher ruhig, kontrolliert und selbstbestimmt oder getrieben, gestresst und erschöpft?

Wir kennen alle diese Phasen, in denen man eigentlich permanent in einem Wechselmodus ist und man sich am Ende des Tages fragt: Was habe ich eigentlich geschafft? Cal Newport, Informatik-Professor aus den USA, beschreibt dies in seinem Buch als „Shallow Work“:

„Non-cognitively-demanding, logistical-style tasks, often performed while distracted. These efforts tend to not create much new value in the world and are easy to replicate.”

Jedes Mal, wenn wir Slack öffnen, laufen wir Gefahr, dass unsere Arbeit in diese Kategorie fĂ€llt. Wir arbeiten rund um die eigentliche Arbeit herum. Meta-Arbeit, wenn man es so will, denn die eigentliche Leistung, der Mehrwert, entsteht nicht im Slack-Fenster. Dieser entsteht im Editor, in Sketch, in Word, in PPT (wobei?), in Excel, auf einem Whiteboard oder in unseren Köpfen. Und er entsteht vor allem in langen Phasen des ungestörten Arbeitens. Newport nennt diese „Deep Work“:

„Professional activities performed in a state of distraction-free concentration that push your cognitive capabilities to their limit. These efforts create new value, improve your skill, and are hard to replicate.”

Hört sich gut an? Yep. Das ist die Arbeit, die uns befriedigt. Die uns glĂŒcklich den Feierabend genießen lĂ€sst. Diesen Flow zu erreichen, hat viel mit Motivation und den richtigen Routinen zu tun – aber eben auch mit der Abwehr von allerlei Ablenkungen und der Verlockung von schnellen Dopamin-SchĂŒben. Slack bedient sich hier – vergleichbar mit Video Games oder Social Media – diversen Taktiken zur AusschĂŒttung von solchen GlĂŒckshormonen: FOMO, Notifications ĂŒber Devices hinweg, Gamification via GIFs und Emojis etc … All dies, damit das Engagement und die AbhĂ€ngigkeit wachsen. Doch was gut fĂŒr die SaaS-Anbieter ist, kann fĂŒr den Nutzer schnell kontraproduktiv werden. Man muss nur mal nach „slack addiction“ googlen und findet massig Berichte, die zeigen, dass Instant-Messenger im BĂŒroalltag ernsthafte Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben können.

Wann ist Slack dein Freund – und wann eher eine Office-Vuvuzela?

Trotz all der negativen Effekte sind Unterbrechungen in vielen FĂ€llen ein notwendiges Übel. Immerhin ist kaum ein Mitarbeiter EinzelkĂ€mpfer, sondern jeder von uns muss auch Schnittstellen zum Kunden oder zumindest zum Kollegen managen. Teamwork bedarf Kommunikation, Kommunikation bedarf Aufmerksamkeit. Und diese erlangt man beim GegenĂŒber nur durch Unterbrechung.

Slack bietet dafĂŒr eine Plattform, die wir prinzipiell nicht missen möchten. Es geht also um das „Wie“ und nicht das „Ob“. Slack selbst gibt uns Nutzern leider wenig Hinweise, wie es eigentlich richtig genutzt werden sollte. Es ist ein extrem flexibles Multi-Purpose-Tool. Ist es ein Feed, eine Todo-Liste, ein E-Mail-Ersatz, ein virtueller Watercooler oder ein Meeting-Tool? Es ist das, was jeder einzelne daraus macht. DafĂŒr mĂŒssen wir uns aber erstmal bewusst werden, was wir denn daraus machen wollen? Wenn nicht, verleitet ein Multi-Purpose-Tool wie Slack dazu, dass man einfach nur seinen Impulsen folgt.

Wie wird Slack also zu einem Helferlein, das uns nĂ€her zusammenbringt und wie vermeiden wir, dass Slack sich wie ein 40-Stunden-Dauer-Meeting anfĂŒhlt?

Zuerst sollten wir definieren, wofĂŒr Slack der richtige Kanal ist und wofĂŒr eher nicht.

Slack ist super fĂŒr …

  • 🌊 … ein Grundrauschen. Oft ergeben sich Dinge durch zufĂ€lliges Mithören oder beim Plausch an der Kaffeemaschine. Vielleicht hat ein Kollege bereits Erfahrung mit der Problematik oder eine Idee fĂŒr einen anderen Ansatz? Slack kann Kommunikation transparent machen und zum Mitmischen einladen. Und dieses Grundrauschen hilft auch, sich im heimischen Office nicht verloren, sondern als Teil des großen Ganzen zu fĂŒhlen. Aber es ist eben mit Vorsicht zu genießen: Oft ist ein „Grundrauschen“ und das schnelle Rein- und Rausspringen aus Konversationen fĂŒr Manager-Aufgaben von Vorteil, fĂŒr den (Fach-)Mitarbeiter aber eher Ablenkung und Stress.
  • 🚹 … Alarmstufe Rot. Wenn keine Zeit zu verlieren ist, weil der Kunde vor der TĂŒr steht, das Hosting down ist oder der Azubi im Fahrstuhl feststeckt. Man merkt, das sind extreme Beispiele und nicht unser Alltag.
  • đŸ€ … direkte Kommunikation. Slack kann ein klassischer E-Mail-Ersatz sein. Direktnachrichten fĂŒr kurze Absprachen mit klar definierten EmpfĂ€ngern. Ganz ohne Betreffzeile und förmliche Anrede. Sweet!
  • 🎉 … Fun. Emojis, GIFs, mal Luft ablassen, Insider Jokes, Hot-Tipps. You name it.

Slack sollte nicht …

  • 😓 … FOMO und ASAP erzeugen. Wer kennt es nicht: FĂŒnf Minuten nach der ersten Nachricht kommt noch ein passiv-aggressives „???“ hinterher. Nicht cool. Auf 99 % der Anliegen muss nicht sofort reagiert werden. ASAP sollte die Ausnahme und nicht die Regel sein. Vieles kann warten — und sich somit besser in den Flow des EmpfĂ€ngers einfĂŒgen. Chats suggerieren uns eine ASAP-Kultur, weil der andere sofort benachrichtigt wird. Der Sender meint, er kann ĂŒber die Aufmerksamkeit des EmpfĂ€ngers bestimmen. Ebenso gefĂ€hrlich ist es, wenn erwartet wird, dass in einem Channel alle permanent mitlesen. Kollegen, die im Channel nach Meinungen oder EinwĂ€nden zu einem Thema fragen und annehmen, dass nach 10 Minuten alle reagiert haben mĂŒssten. Das fĂŒhrt zu klassischer FOMO und dazu, dass man die Chats permanent verfolgen muss, damit kein Nachteil, keine WissenslĂŒcke entsteht und die Kollegen einen nicht als „abwesend“ wahrnehmen.
  • đŸƒâ€â™‚ïž … zu halbgaren Gedanken fĂŒhren. Slack ist auf Schnelligkeit gemĂŒnzt. Channel wĂ€hlen, reinschreiben, Enter. Ups, etwas vergessen oder falsch formuliert? Schnell noch eine Nachricht hinterher. Gedanken werden hĂ€ppchenweise ausgespeichert, oft unterbrochen von den Nachrichten anderer. Sie verlieren sich im Fluss und geraten aus dem Sichtbereich. Antworten können nicht richtig zugeordnet werden. Chats sind chaotisch und deswegen kein Ort, um komplexe Argumente auszutauschen, zu ĂŒberzeugen oder wichtige Dinge im Detail zu planen.
  • ☑ … als Todo-Liste agieren. Chats sind vergĂ€nglich. Was du mir jetzt schickst, ist in fĂŒnf Minuten von der Flut weggeschwemmt. Weder Briefings noch Tasks sollten untergehen. Und nein, es ist nicht die Aufgabe des EmpfĂ€ngers, sich irgendwann wieder daran zu erinnern. DafĂŒr haben wir andere KanĂ€le, andere Tools.

Okay, okay. Aber was kann ich jetzt konkret machen?

Nachdem ich das „Wozu“ erlĂ€utert haben, fehlt noch das konkretere „Wie“. Also, wie kann man Slack bewusst fĂŒr ein angenehmes Kommunikationsklima einsetzen?

✔ Pull statt Push

Kommunikation kann man grob in Push und Pull unterteilen. Ein klassisches Beispiel fĂŒr Push-Kommunikation ist das Telefon. Der Sender möchte eine Nachricht ĂŒbermitteln und entscheidet dafĂŒr den Zeitpunkt. Der EmpfĂ€nger muss in Echtzeit reagieren, egal womit er gerade beschĂ€ftigt ist. Die E-Mail hingegen setzt auf das Pull-Prinzip. Die Mail wartet geduldig im Postfach des EmpfĂ€ngers bis dieser entscheidet, dass er sie lesen möchte. Er „zieht“ sich die Botschaft zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt und hat somit mehr Kontrolle ĂŒber den Kommunikationsprozess.

Slack kann in beide Richtungen genutzt werden. Um stÀrker auf Pull zu setzen, helfen folgende Tipps:

  1. Nutze Slack im Browser (nicht mit der Desktop-App) und nicht auf dem Smartphone. So lĂ€sst sich Slack wie andere Browser-Fenster nach Bedarf bewusst aufrufen. Dazu kannst du dir bestimmte Zeitfenster bestimmen. Zum Beispiel zweimal tĂ€glich 30 Minuten, um Slack (und evtl. auch E-Mail) ganz bewusst abzuarbeiten. Vermeide es, schnell zwischen zwei Meetings Slack zu öffnen. In 5 Minuten lassen sich die Messages in der Regel nicht sorgsam beantworten und sorgen nur fĂŒr zusĂ€tzliche kognitive Belastung.
  2. Schalte Notifications, Icon Badges und Sounds ab. Wenn du Slack sowieso in regelmĂ€ĂŸigen Zeitfenstern checkst, benötigst du diese eigentlich nicht mehr. Falls du dennoch sicherstellen möchtest, dass du im Notfall schnell erreichbar bist, vereinbare, dass man bei Dringlichkeit anrufen soll.

✔ Verlasse Channels oder schalte sie stumm.

Bei der i22 sind wir ĂŒber 100 Mitarbeiter. Da können manche Channel ziemlich busy werden. Frage dich immer, ob das Mitlesen in einem bestimmten Channel einen wichtigen Einfluss auf deine Arbeit hat. Einmal im Monat kannst du die abonnierten Channels neu evaluieren und ggf. verlassen. Eine abgeschwĂ€chte Variante ist das Stummschalten. So kannst du zwar noch mitlesen, wirst aber nicht mehr prominent benachrichtigt.

✔ Die Sidebar aufrĂ€umen

Von Haus aus ist die Slack-Sidebar ein ziemlich chaotisches UI-Element. Notifications, lange Listen von Channels, DMs und diverse andere Optionen … Zum GlĂŒck gibt es einige Möglichkeiten fĂŒr Ordnung zu sorgen. Zuerst lassen sich alle Sections zusammenklappen, um fĂŒr Übersicht zu sorgen. Dann können bei DMs und Channels nur die Nachrichten angezeigt werden, die ungelesen sind.

Letztere Option macht es bewusst schwieriger, einen bestimmten Channel oder eine Person aufzurufen. DafĂŒr wird die OberflĂ€che ablenkungsfreier und du kannst alternativ zielgerichtet per CMD+K bzw. STRG+K direkt zu einer Unterhaltung springen.

✔ Nachrichten stapelweise bearbeiten

Slack bietet manchmal einen bunten Blumenstrauß an Notifications. Ungelesene Nachrichten verstecken sich verteilt ĂŒber verschiedene Channels und DMs, die unsortiert zwischen all den anderen Channels aufs Lesen warten. Zum GlĂŒck gibt es in der Sidebar den Punkt „Ungelesenes“ (muss eventuell in den Einstellungen aktiviert werden). Hier werden alle Messages zum Bearbeiten auf einen Blick gelistet. Am besten wĂ€hlst du als Sortierung „Älteste“, so kannst du in den definierten Slack-Zeitfenstern (siehe oben) effizient den Stapel abarbeiten.

Come in and find out

Slack erleichtert einerseits die schnelle Kommunikation, andererseits ist es die grĂ¶ĂŸte Nervmaschine in den Offices weltweit. Ist das Tool selbst das Problem oder die Art wie wir es nutzen? Komplizierte Frage. Vorsicht ist jedenfalls geboten. Vielleicht sollten wir Slack und seine Channels wie eine Sauna behandeln: ein kurzer Aufenthalt tut gut, aber man sollte es nicht ĂŒbertreiben. Einfach öfters mal aus dem Dopamin-Kreislauf ausbrechen und vor jeder Nachricht kurz innehalten und sich fragen: ist es denn wirklich so dringend? Slack drop.

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Allzu oft hat man als Verbraucher das GefĂŒhl, Marken sind Phrasen und Kosmetik. Sie sind austauschbar, weil die Produkte dahinter austauschbar sind und sie keinen Sinn stiften. Man hat das GefĂŒhl, es gibt ein Team, das das Produkt entwickelt und es gibt Leute, die das Produkt in der Werbung beschreiben. Beide scheinen nicht miteinander zu sprechen.

In diesen FĂ€llen sind es keine schlechten Marken. Es sind einfach ĂŒberhaupt keine Marken. Fehlt die Unterscheidbarkeit, fehlt die Marke. Fehlt die Glaubhaftigkeit, fehlt die Marke. Die Welt aber braucht Marken – und zwar aus folgenden zwei GrĂŒnden.

1. Orientierung

Wie viele Jeans-Hersteller gibt es? Wie viele Produzenten von Nachttischlampen, Brotmessern, Lesebrillen, Duschbrausen oder NotizbĂŒchern? Nun, sehr viele. Muss ich eins dieser Produkte besorgen, wo fange ich an? Zuerst krame ich in meiner Erinnerung: Das letzte KĂŒchenmesser war doch sehr gut, von welchem Hersteller war es? Hat nicht mein Kumpel gerade von seinem neuen RasenmĂ€her geschwĂ€rmt? Im Fernsehen kommt doch immer diese Werbung ĂŒber Matratzen?

Erinnerungen, oder besser gesagt, Erfahrungswerte, sind die erste Anlaufstelle fĂŒr eine Kaufentscheidung. Dabei identifizieren wir die Produkte jedoch selten ĂŒber spezielle Eigenschaften. Zum Beispiel, das tolle Messer hatte doch eine Keramikklinge oder das Baby-Bett war stufenlos höhenverstellbar, sondern ĂŒber die Marke. Die Marke gibt den Produkten ein Gesicht, einen Namen und eine Adresse. Unser GedĂ€chtnis ist dabei wie ein Telefonbuch voller Marken, das durch Erfahrungswerte gefĂŒllt wird. Ohne das Telefonbuch hĂ€tten wir fast keine Möglichkeit eine begrĂŒndete Entscheidung treffen zu können.

Ich schreibe „fast“, weil das Internet den Verbrauchern viele neue Möglichkeiten erschaffen hat. Ich kann Google vertrauen (was natĂŒrlich auch eine Marke ist) und nach Keramikmessern suchen. Ich kann Amazon vertrauen und mich an den Bewertungen der KĂ€ufer orientieren. Gerade die Möglichkeit, Produkte transparent und in der Masse zu bewerten, lĂ€sst das Gewicht der Marke schrumpfen, oder? Ich glaube nein. Das Internet sorgt zwar fĂŒr eine Demokratisierung der Marken und der Werbung, es schafft aber gleichzeitig ein ĂŒberwĂ€ltigendes Angebot fĂŒr den Verbraucher. Eine Vielfalt, die Orientierung benötigt und die Marken zu noch wichtigeren LeuchttĂŒrmen bei der Kaufentscheidung werden lĂ€sst.

2. Vertrauen

Was sich einmal bewĂ€hrt hat, das wird sich immer wieder bewĂ€hren. Und gute Marken liefern diese Erwartung auch. Das wohl wichtigste Attribut fĂŒr eine Marke ist deswegen Vertrauen. Auch Vertrauen bietet ĂŒbrigens Orientierung, ansonsten wĂ€re jede Neuanschaffung ein reines GlĂŒcksspiel. Habe ich allerdings in meiner letzten Winterjacke nie gefroren und sie hat mich treu ĂŒber viele Jahre begleitet, dann weiß ich, woran ich bin. GĂ€be es keine Marken, also keine Sammeltöpfe fĂŒr bestimmte Artikel einer bestimmten Herkunft, wĂŒrden wir Verbraucher viel Lehrgeld bezahlen mĂŒssen. Das gilt zumindest bei Marken, die Konstanz beherrschen. Denn liefert eine Marke keine gleichbleibende (oder verbesserte) QualitĂ€t ĂŒber einen langen Zeitraum, dann ist es keine Marke, sondern Kosmetik und Phrasen.

Deswegen braucht die Welt Marken.

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Ich fĂŒhle mich manchmal wie ein Turbokapitalist, wenn ich mit anderen Leuten ĂŒber Marken rede. FrĂŒher in der Schule gab es immer die Markentypen, die ihre Levi’s oder das Tommy Hilfiger-Hemd zur Schau getragen haben. Nicht unbedingt die angenehmsten MitschĂŒler damals. Mittlerweile hat sich meine Einstellung gegenĂŒber Marken verĂ€ndert. Mittlerweile denke ich, dass die Marke das wichtigste Kapital eines jeden Unternehmens ist.

Sinn und Orientierung

Dabei meine ich aber nicht, die oft nicht zu begrĂŒndende Coolheit einer Marke. Das ist in der Regel ein vorĂŒbergehendes PhĂ€nomen der Modeindustrie. Ich meine eher Marken, die fĂŒr etwas stehen, die direkt Kopfkino bei den Menschen entfachen und somit ihren gesellschaftlichen Sinn rechtfertigen. Unternehmen haben einerseits einen praktischen Nutzen, indem sie eine Nachfrage befriedigen, sie können darĂŒber hinaus aber durch ihre Marke identitĂ€tsstiftend sein und Orientierung bieten.

Kunden projizieren bestimmte Attribute einer Marke auf sich selbst. Apple steht fĂŒr KreativitĂ€t, Minimalismus und vermehrt auch Nachhaltigkeit und Datenschutz. Nike ist leicht rebellisch und weckt Kampfgeist. Tesla ist progressiv und individuell. Manche Unternehmen haben intern keine Orientierung und verlieren deswegen auch ihre Marke. Sie stehen fĂŒr nichts. Esprit, H&M oder Opel sind beliebig und extrem austauschbar geworden.

Gerade im Zeitalter der vollstĂ€ndigen VerfĂŒgbarkeit, in dem jeder alles mit wenigen Klicks erwerben kann, sind Marken ein wichtiges Entscheidungskriterium. Sie entlasten den Kunden bei der Kaufentscheidung und bieten Orientierung in dem Dschungel an Angeboten. FrĂŒher galt öfters das Prinzip der VerfĂŒgbarkeit. Habe ich in der NĂ€he ein GeschĂ€ft, das eine bestimmte Marke anbietet und ist der Kundenservice in meiner Gegend gewĂ€hrleistet? Heute spielt das kaum noch eine Rolle.

Tradition ist das Fundament

Markenbildung ist ein Marathon. Unternehmen mĂŒssen sich Vertrauen ĂŒber Jahre erarbeiten, bevor sie glaubwĂŒrdig fĂŒr etwas stehen können. Jede Agentur, jeder Verantwortliche in einem Unternehmen, der meint, mit einer PR- oder Werbekampagne lasse sich die Marke drehen, der irrt sich.

Es ist wie bei zwischenmenschlichen Beziehungen. Manchmal trifft man jemanden, der auf den ersten Blick einen bestimmten Eindruck erweckt. Aber das ist nur OberflĂ€che und das weiß jeder, der etwas Lebenserfahrung gesammelt hat. Solche EindrĂŒcke kommen und gehen, ein ĂŒber lĂ€ngere Zeit konsequent aufgebauter Markenkern aber ist schwer zu erschĂŒttern. Das sieht man gerade bei Volkswagen und auch Microsoft hat es durch die richtige Weiterentwicklung geschafft, seine Marke stark zu halten. Junge Unternehmen, wie MyMĂŒsli oder N26 lassen zwar eine Marke erkennen, stehen aber unter besonderem Druck, ihrer Darstellung gerecht zu werden. Es sind zarte PflĂ€nzchen, die bei der ersten Böe auch einknicken können.

Die junge Generation verlangt nach Marken

Die Generation Z und Y steht wie keine andere fĂŒr kritischen Konsum. „Geiz ist geil“ ist nicht mehr angesagt, sondern ein höheres Ziel muss vermittelt werden. Ökologie, Datenschutz oder soziale Entwicklungen sind gefragt. Die Telekom versucht gerade mit der #DABEI Kampagne ihre Infrastruktur als ein Produkt fĂŒr gesellschaftliche Inklusion darzustellen. Volvo möchte seinen Autos ein generelles Tempolimit von 180 km/h verpassen, um das Thema Sicherheit zu vereinnahmen. Die Schuhmarke Toms hat mit dem fest im Produkt verankerten Prinzip „One for One“ den Nerv der Zeit getroffen.

Von Unternehmen wird also mittlerweile viel mehr, als nur das Befriedigen einer Nachfrage verlangt. Sie mĂŒssen in dieser Gesellschaft eine relevante Rolle einnehmen, die ihre Existenz rechtfertigt. QualitĂ€t und Preis sind natĂŒrlich weiter ein wichtiges Kaufargument, aber nachhaltiger Erfolg gelingt nur mit echtem Sinn und Zweck.

Werbung kann eine Marke nicht aufbauen

Google und Facebook haben in ihrer frĂŒhen Phase keinen Cent in Werbung investiert. Tesla hat heute noch ein Werbebudget, was gegen null tendiert. Wie haben es diese Unternehmen also geschafft? Mit Überzeugungsarbeit in der direkten Interaktion mit dem Produkt. Also einem integrierten Ansatz, der alle Bereiche und Abteilungen eines Unternehmens orchestriert und auf eine bestimmte Vision, ein bestimmtes Nutzungserlebnis abstimmt. Ein Ansatz, bei dem die Markenbildung in die Tiefe geht, in dem sie alle Bereiche betrifft und nicht nur jedes Quartal als Kommunikationskampagne aufgestĂŒlpt wird.

Konsumenten spĂŒren, wenn auch oft unbewusst, ob Markenaussagen kĂŒnstlich oder integriert sind. Werbung kann nur als UnterstĂŒtzung dienen, um die eigentlichen Anstrengungen öffentlich hervorzuheben. Einfach gesagt, Marken mĂŒssen heute ihre Versprechen auch wirklich einlösen, sonst sind sie bei dieser kritischen, informierten und reflektierten Generation an Nutzern schnell abgeschrieben.

Was macht heute also eine gute Marke aus? Sie bietet Sinn und Orientierung, die ĂŒber die eigentliche Nachfrage hinausgeht. Millenials sind markenaffin, aber auch kritisch. Sie fordern Marken heraus, und zwar nicht nur, um eine Kaufentscheidung zu treffen, sondern um gesellschaftlichen Sinn zu entdecken. Dabei muss das Unternehmen langfristig planen und konsequent die Markenaussage verfolgen. Werbung ist dabei nicht mehr das Mittel der Wahl und Marketing keine Aufgabe fĂŒr eine einzelne Abteilung.

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